Häufig gestellte Fragen rund um LEADER, Projektskizzen und Förderanträge

Auf dieser Seite haben wir häufig gestellte Fragen rund um LEADER in unserer Region „Westerwald-Sieg …mehr als frischer Wind“, die Projektskizzen und die Förderanträge zusammengefasst.

Diese Informationen sollen Ihnen einen ersten und grundlegenden Einblick in die Thematik ermöglichen. Es wird immer Detailfragen geben, die auch mit den weiteren am Prozess beteiligten Behörden und Einrichtungen zu klären sind. Dabei sind wir Ihnen als Regionalmanagement gerne behilflich. Sie erreichen uns per Mail unter lars.kober@kreis-ak.de oder sebastian.duerr@kreis-ak.de bzw. telefonisch unter 02681/ 81-2182.

Was ist LEADER?

LEADER ist ein Programm der Europäischen Union, mit dem Ländliche Räume gestärkt werden. Besonders wichtig ist, dass die Menschen in der Region über die Verwendung der Mittel entscheiden können. Das Gremium, das vor Ort über die Mittelvergabe entscheidet, ist die Lokale Aktionsgruppe (LAG).

Wer oder was ist die LAG?

In der Lokalen Aktionsgruppe sind Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichsten Bereichen zusammengefasst. Neben Vertretern der Verwaltung und der Kommunen (Öffentliche) sind dies Vertreter der Wirtschafts- und Sozialpartner (WISO) und Privatpersonen (Private).

Die Zusammensetzung der LAG unterliegt klaren Spielregeln. Diese sind in der Satzung der LAG „Westerwald-Sieg …mehr als frischer Wind“ zusammengefasst.

Bei Entscheidungen und Beschlussfassungen der LAG gilt ein doppeltes Quorum, das zwingend eingehalten werden muss: Die Anzahl der Stimmen der „Öffentlichen“ darf nicht mehr als 50% der Gesamtstimmen betragen und keine der drei beteiligten Gruppen (Öffentliche, WiSo, Private) darf mehr als 49,9% der Stimmen auf sich vereinen. Damit ist sichergestellt, dass keine der drei Gruppen in der LAG dominiert.

Was kann LEADER für unsere Region leisten?

Mit der Finanzierung durch LEADER können solche Projekte in unserer Region umgesetzt werden, die von den Menschen in der Region als wichtig und umsetzungswert erachtet werden. Gleichzeitig wird das Engagement der Menschen vor Ort gefördert, selber Projektideen zu entwickeln und umzusetzen.

Wie ist der Antragsweg?

Die Antragstellung für ein LEADER-Projekt ist mehrstufig. Zunächst braucht es eine gute Idee. Der nächste Schritt ist die Erstellung eines Projektsteckbriefs. Dieser Projektsteckbrief ist die Grundlage für die Entscheidung der LAG, ob das Projekt förderwürdig ist.

Nach einer positiven Entscheidung dieses Gremiums erfolgt die formale Antragstellung bei der ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion). Dort wird auch die Förderfähigkeit des Vorhabens geprüft.

Um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, stimmt sich das Regionalmanagement regelmäßig mit der ADD ab und versucht so viele Fragestellungen wie möglich bereits im Vorfeld zu klären.

Welche Anforderung gibt es an LEADER-Projekte?

Die grundlegenden Anforderungen an ein LEADER-Projekte können folgendermaßen zusammengefasst werden:

  • Das Projekt soll die Region voranbringen (z.B. die Region stärken).
  • Sie sollen den Menschen vor Ort dienen (z.B. Verbesserung des Lebensumfelds).
  • Vor allem aber sollen die Projekte zum Profil der Region passen. Das Profil der Region ist in der LILE verankert.

Was ist die LILE?

Die LILE ist die Lokale Entwicklungsstrategie, die gemeinsam mit und von den Menschen aus unserer Region erstellt wurde. In der LILE sind die Handlungsfelder definiert, die mit LEADER bearbeitet werden sollen.

Jedes LEADER-Projekt muss deshalb auch einem Handlungsfeld zugeordnet werden können. Die Handlungsfelder der LILE sind

  • HF 1: Regionale Wirtschaft und Qualifikation
  • HF 2: Kommunalentwicklung
  • HF 3: Demografische Herausforderungen
  • HF 4: Tourismus
  • HF 5: Forst-, Landwirtschaft und Direktvermarktung

In jedem Fall sind auch die Querschnittsziele der LILE zu beachten.

Wer kann Antragsteller sein?

Als Antragsteller bzw. Projektträger kommen folgende Personen bzw. Einrichtungen in Frage:

  • Juristische Personen des öffentlichen und des privaten Rechts
  • Personengesellschaften
  • Natürliche Personen
  • Lokale Aktionsgruppen

Welche grundlegenden Anforderungen gibt es für Projekte?

Förderfähig sind Vorhaben, die der Umsetzung der Ziele des EPLR EULLE (Entwicklungsprogramm „Umweltmaßnahmen, Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft, Ernährung“ des ELER, dem „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“) und den Zielen und den Handlungsfeldern der LILE dienen. Dazu zählen insbesondere

  • kleine investive Maßnahmen,
  • die Erstellung von innovativen Konzepten und Studien,
  • Fortbildungsveranstaltungen, Schulungen, Qualifizierungen und Weiterbildungen sowie
  • Kleinere Projekte

mit in den Anlagen zum Antrag aufgeführten Fördertatbeständen.

Von der Förderung ausgeschlossen sind Pflichtaufgaben der Gebietskörperschaften. Die Vorhaben müssen der Umsetzung der jeweiligen LILE dienen d.h. das Ziel des Vorhabens muss sich in einem der von der LAG definierten Handlungsfeldern wiederfinden. Die Umsetzung der Vorhaben muss grundsätzlich im LAG-Gebiet erfolgen. Ausnahmen sind nur mit Genehmigung bei der ELER-Verwaltungsbehörde (ELER = „Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums“) möglich, den die LAG stellen muss. Im Rahmen des Antrages muss die LAG nachweisen, dass eine Abweichung vom Regionalprinzip einen eindeutigen Mehrwert für das Gebiet der LAG bedeutet.

Welche Fördervoraussetzungen gibt es?

Die LAG ist gehalten, die für den LEADER-Ansatz vorgegeben Rahmenbedingungen des EPLR EULLE  in der spezifischen Ausgestaltung ihrer LILE anzuwenden. Die LAG kann im Einzelfall beschließen, entweder die außerhalb des LEADER-Ansatzes im EPLR EULLE programmierten Maßnahmen unter 1:1 Einhaltung der jeweiligen Förderkonditionen oder •die für den LEADER-Ansatz geltenden Förderkonditionen anzuwenden, die in der jeweiligen LILE durch die LAG präzisiert wurden.

Zur Umsetzung des LEADER-Ansatzes sind die nachfolgenden Modalitäten zu beachten:

  • •Das Projekt muss grundsätzlich im Gebiet einer LAG umgesetzt werden. Ausnahmeregelung ist bereits oben beschrieben.
  • • Zu jedem Projekt muss ein Nachweis der LAG über die Einhaltung der formellen Vorgaben des LAG-Auswahlverfahrens und ein positiver Beschluss des LAG-Entscheidungsgremiums vorgelegt werden (Dokumentation des Projektauswahlverfahrens).
  • • Die nachhaltige finanzielle Traghaftigkeit eines Projektes ist nachzuweisen.
  • • Die Umsatzsteuer ist zuwendungsfähig wenn sie vom Zuwendungsempfänger endgültig getragen wird d.h. wenn der Zuwendungsempfänger die Umsatzsteuer in der Umsatzsteuererklärung nicht abziehen kann. Für einen Unternehmer mit Kleinunternehmerregelung oder ein optierendes Unternehmen entfällt die Förderung der Umsatzsteuer ebenfalls. Eine Förderung der Mehrwertsteuer ist zudem nur zulässig, wenn die/der Begünstigte die „Bescheinigung über die Vorsteuerabzugsberechtigung“ des zuständigen Finanzamtes vorlegt.
  • •Es gilt die De minimis-Beihilfe bei produktiven Investitionen.
  • •Die Förderung von Anhang I AEUV-Erzeugnissen erfolgt nur im Rahmen der Vorgaben der Verordnung (EU) Nr. 1305/2013 und der hierzu ergangenen Durchführungsbestimmungen.
  • •Für indirekte Kosten kann auf Antrag ein Pauschalsatz von 15 % der förderfähigen direkten Personalkosten gewährt werden.
  • • Ein Projekt ist nur förderfähig wenn die öffentliche Zuwendung mindestens 2.000 Euro beträgt.
  • Dabei können kleine Projekte zu einem Vorhaben zusammengefasst werden.
  • • Ein Projekt kann grundsätzlich bis maximal 250.000 Euro an ELER-Mitteln gefördert werden. Ausnahmen sind nur mit Zustimmung der ELER-Verwaltungsbehörde möglich. Es bedarf hierzu eines formlosen Antrags der LAG. In der Begründung ist aufzuzeigen, dass die Ausnahme für die Umsetzung der LILE und der Region erforderlich ist.

Was ist mit einer Doppelförderung?

Die gleichzeitige Inanspruchnahme von Zuwendungen im Rahmen des LEADER-Ansatzes und anderer öffentlicher Maßnahmen ist nur möglich, wenn es sich ausschließlich um eine nationale öffentliche Fördermaßnahme handelt und keine EU-Mittel enthalten sind und mit der Förderung unterschiedliche Zwecke verfolgt werden (klar abgrenzbare Bereiche).

Mittel anderer öffentlicher Geldgeber werden, soweit sie die gleichen Ausgaben betreffen, auf die Zuwendungen im Rahmen des LEADER-Ansatzes angerechnet. Sie sind bereits im Förderantrag als Bestandteil des Finanzierungsplanes anzugeben. Mittel die nach Erteilung der Bewilligung projektbezogen neu hinzukommen, sind mitzuteilen und anzurechnen. Sie vermindern die Zuwendung entsprechend.

Können Eigenleistungen eingebracht werden?

Eigenleistungen können unbezahlte freiwillige Arbeiten und/ oder Sachleistungen einschließlich Sachspenden umfassen.

Eigenleistungen/Sachleistungen/Bereitstellung von Gütern, Ausrüstungsgüter, Material und Dienstleistungen können nach den Vorgaben des Kapitels 8.1 und 8.2.10.3.2.5 des EPLR EULLE wie folgt gefördert werden:

Eine Anerkennung von Eigenleistungen als förderfähige Kosten investiver Vorhaben ist nur bei dafür geeigneten investiven Projekten von Körperschaften/Stiftungen des öffentlichen Rechts, Vereinen, gemeinnützigen und öffentlichen Einrichtungen möglich. Das Projekt muss von Art und Umfang her für die Erbringung von Eigenleistungen in festgelegten Teilbereichen geeignet sein.

Eigenleistungen können nur dann für das Projekt erbracht und zur Förderung in Ansatz gebracht werden, wenn Art und Umfang der vorgesehenen Eigenleistung festgelegt und überprüft werden kann.• Die geplante Eigenleistung wird bei der Antragstellung durch eine fachliche geeignete Stelle (z.B. Architekt) ermittelt bzw. bestätigt. Der Wert wird bei der Antragstellung eingetragen.

Bei fremdvergebenen Gewerken werden die Eigenleistungen durch eine fachlich geeignete Stelle bestätigt. • Bei der Antragstellung ist der Wert der geplanten Eigenleistung bei 100 % Fremdvergabe (laut Ermittlung durch eine geeignete, fachlich qualifizierte Stelle) anzugeben. Hierzu bedarf es einer transparenten, ggf. nach Gewerken aufgeschlüsselten Darstellung der geplanten Eigenleistungen.

Bei Vorlage des Zahlungsantrags muss der Begünstigte eine Bestätigung dafür vorlegen, dass die in Eigenleistung geplanten Gewerke entsprechend erstellt wurden. Diese Bestätigung muss von einer fachlich qualifizierten Stelle (bei investiven Vorhaben z.B. Architekt) bestätigt sein.

Sachleistungen sind nur unter folgenden Bedingungen förderfähig:

  • Im Falle der Bereitstellung von Grundstücken oder Immobilien muss der Wert von einem unabhängigen qualifizierten Schätzer oder einer ordnungsgemäß zugelassenen amtlichen Stelle bescheinigt werden.
  • Im Falle der Bereitstellung von sonstigen Gütern, Ausrüstungsgütern, Material oder Dienstleistungen muss der Marktwert abzüglich 20 % ermittelt werden.
  • Die öffentliche Unterstützung für das Vorhaben, die auch Sachleistungen umfasst, darf bei Abschluss des Vorhabens nicht über den förderfähigen Gesamtausgaben abzüglich der Sachleistungen liegen.
  • Der förderfähige Umfang der vergleichbaren freiwilligen Leistungen wird auf 40 % der förderfähigen Ausgaben beschränkt. Eigenleistungen in Form von freiwilliger Arbeit, können bis höchstens 80 % einer vergleichbaren, unternehmerischen, in Rechnung gestellten Leistung (ohne MwSt., ohne Rabatte oder Skonti) anerkannt werden. Die förderfähige Stundenzahl muss entweder auf Basis von Richtwerten (z.B. Dorferneuerung) anhand von Vergleichsangeboten oder aus leistungsidentischen Tätigkeiten abgeleitet werden. Der Stundenlohn wird grundsätzlich auf Basis des Nettolohns eines einfachen Arbeiters / Angestellten abzüglich 20 % festgelegt, da Nebenkosten i.d.R. nicht anfallen und Anreize für Schwarzarbeit vermieden werden sollten.
  • Für die „Freiwillige Arbeit“ nach Kapitel 8.1 des EPLR EULLE hat die ELER-Verwaltungsbehörde einen Stundensatz von derzeit für einfache Arbeiten 16,00 Euro und schwierige Fachtätigkeiten 21,60 Euro festgelegt. Der Stundensatz wird jährlich aktualisiert und bekanntgegeben.

Konkrete Umsetzung „Freiwillige Arbeit“

An dem folgenden Beispiel soll vereinfacht die konkrete Umsetzung von freiwilligen Leistungen im Rahmen von LEADER dargestellt werden.

Beispiel: Ein Dorfbackes soll neu aufgebaut werden. Im ersten Schritt wird dafür von einem Bauunternehmen ein Angebot eingeholt, um die Kosten zu plausibilisieren. Das Unternehmen bietet die Leistung komplett zu einem Preis von 50.000 Euro (netto, keine Rabatte, keine Skonti) an.

Die Gesamtkosten von 50.000 Euro setzen sich wie folgt zusammen:

  1. Materialkosten (Balken, Ziegelsteine, etc.) mit 30.000 Euro
  2. Maschinenkosten (Bagger, Radlader, etc.) mit 10.000 Euro
  3. Personalkosten (Facharbeiter, etc.) mit 10.000 Euro

Relevant für die Berechnung des Stundenbudgets möglicher freiwilliger Leistungen sind die Maschinenkosten sowie die Personalkosten. Diese belaufen sich in obigem Beispiel auf zusammen 20.000 Euro. Ansetzbar sind 80% dieser Kosten (es wird davon ausgegangen, dass Nebenkosten i.d.R. nicht anfallen) d.h. 16.000 Euro.

Für freiwillige Abeit werden Stundensätze in Höhe von 16,00 Euro für einfache Tätigkeiten bzw. 21,60 Euro für Facharbeiter anerkannt (vgl. oben). In diesem Beispiel sollen nur einfache Tätigkeiten eingebracht werden. Bedeutet, dass 16 Euro je Stunde angesetzt werden können.

Das verfügbare Stundenbudget berechnet sich aus den ansetzbaren Kosten in Höhe von 16.000 Euro / 16,00 Euro je Stunde = 1.000 Stunden.

Der Umfang der freiwilligen Arbeit darf 40% der gesamten förderfähigen Kosten nicht überschreiten. Zu prüfen ist deshalb, ob der Kostenansatz für die freiwillige Arbeit (in diesem Fall 16.000 Euro) größer ist als 40% der gesamten förderfähigen Kosten (in diesem Fall 40% aus 50.000 Euro = 20.000 Euro). Dies ist in diesem Beispiel nicht der Fall, die 16.000 Euro für freiwillige Arbeit bzw. die 1.000 Stunden freiwilliger Arbeit könnten also eingebracht werden.

In jedem Fall gilt, dass die abgeleisteten Stunden ausführlich dokumentiert werden (vgl. oben).

Weitere Informationen und Beratung

Die auf dieser Seite gesammelten Informationen werden laufend aktualisiert und ergänzt. Für Rückfragen zum LEADER-Prozess, zur Antragstellung, zur LAG und zu LEADER in der Region „Westerwald-Sieg …mehr als frischer Wind“ steht Ihnen das Regionalmanagement gerne zur Verfügung. Nutzen Sie bitte das Kontaktformular auf dieser Seite oder senden Sie eine E-Mail an lars.kober@kreis-ak.de oder sebastian.duerr@kreis-ak.de